Archiv für die Kategorie ‘Bildung & Beruf’

Probieren geht über Studieren

Freitag, 12. Dezember 2011

Ambitioniert durch das Studium sausen, im Referendariat die Zähne zusammenbeißen – und dann passt der Schulalltag doch nicht mit den eigenen Vorstellungen zusammen: Vom einstigen Wunsch, Lehrer zu werden, kann im schlimmsten Fall nur wenig übrig bleiben. Denn gut zu unterrichten und Arbeiten korrigieren zu können, reicht längst nicht mehr aus. Im Schulalltag müssen Lehrkräfte Unterstützung für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen bieten, Brücken zwischen Heranwachsenden mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen bauen, Orientierung bei der Berufswahl vermitteln, Elterngespräche führen und vieles mehr. Neben didaktischen Fähigkeiten sind eine gute Portion Einfühlungsvermögen, Geduld und Frustrationstoleranz gefragt.
Damit sich junge Menschen noch vor der Studienwahl ein realistisches Bild von den Anforderungen an Lehrkräfte machen können, hat das Bundesland NRW ein sogenanntes Eignungspraktikum eingeführt. Die 20-tägige Praxiserfahrung ermöglicht einen Einblick in den Schulalltag aus neuer Perspektive, nämlich aus Lehrersicht. Seit letztem Jahr ist die Praxisphase vor der Einschreibung für einen Lehramtsstudiengang verpflichtend. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse der Begleitforschung vor. Wichtigste Punkte: Die meisten Lehramtsinteressenten fühlen sich nach dem Praktikum in ihrem Berufswunsch bestätigt. Für verbesserungswürdig hingegen halten die Wissenschaftler die Betreuung der Praktikanten, bei der die Interessenten gemeinsam mit einer erfahrenen Lehrkraft die gewonnenen Erfahrungen reflektieren. Immerhin: NRW ist nicht das einzige Bundesland, das Lehramtsinteressenten dazu einlädt, ihre beruflichen Ambitionen gründlich zu überdenken. In Baden-Württemberg beispielsweise gehört ein onlinebasiertes Self-Assessment seit dem Wintersemester 2011/12 zum Pflichtprogramm. Weiter so!

Aufklärung II: Der Wegweiser zum Therapeuten reicht nicht

Dienstag, 9. September 2011

In Hamburg ist eine Kampagne zur Aufklärung über psychische Gesundheit gestartet. Denn die Zahl der Menschen, die aufgrund eines seelischen Leidens arbeitsunfähig waren, hat sich seit den 1990er Jahre bundesweit verdoppelt.  Besonders betroffen sind Menschen, die in Metropolen leben. Die Hansestadt nimmt dabei traurige Spitzenpostition ein.

Die Initiatoren wollen die Früherkennung und die Prävention seelischer Erkrankungen fördern. Wer darüber informiert ist, welche Symptome Anzeichen einer Depression, eines Burn-outs oder eines anderen psychischen Leiden sein könnten, kann schneller Hilfe suchen. Frühe Beratung und Unterstützung tragen dazu bei, dass soziale oder emotionale Belastungen nicht chronisch werden. Psychische Erkrankungen, so die Botschaft der Kampagne, können jeden treffen. Und: Sie sind behandelbar. Zur neu gestarteten Kampagne gehören unter anderem die Internetseite www.psychenet.de, auf der wichtige Informationen zu häufigen seelischen Erkrankungen abgerufen werden können. Auch Anlaufstellen für Betroffene sind aufgelistet. 

So innovativ und sinnvoll die Kampagne ist, eine bessere Versorgung  kann sie nicht garantieren.  Die Psychotherapeuten in der Hansestadt  beklagen drastisch ansteigenden Wartelisten von Patienten mit Burn-out-Syndrom, Depressionen und anderen seelischen Leiden. Bis zu einem ersten diagnostischen Gespräch warten Hamburger und Hamburgerinnen derzeit über acht Wochen auf einem Termin. In ländlichen Regionen können bis zu einem Erstgespräch sogar einige Monate vergehen.

Und auch Aufklärung und eine frühe Behandlung werden kaum ausreichen. Dringend notwendig sind mehr Prävention und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Inzwischen sind auch die Gewerkschaften aktiv. Die IG-Metall  etwa fordert gesetzliche Regelungen, die Arbeitnehmer vor immer mehr Arbeitsverdichtung schützen. Dabei wären Anti-Stress-Verordnungen nicht einmal ein Novum. Länder wie Frankreich, Italien sowie mehrere skandinavischen Staaten haben bereits entsprechende Arbeitsschutzregelungen auf den Weg gebracht.

Mehr Aufklärung bitte!

Freitag, 9. September 2011

In meiner Timeline war heute folgender  Tweet zu lesen: Man müsse doch endlich etwas tun, es gäbe so viele Menschen mit Burnout mittlerweile. Da liefe doch was falsch … Ja, Burnout und psychische Belastungen in der Arbeitswelt sind mittlerweile Dauerthema. Von allen Pressemitteilungen, die mir in dieser Woche auf den Bildschirm gekommen sind, ist mir eine besonders aufgefallen: In Europa seien psychische Störungen zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden, resümieren Dresdner Psychologen in einer Studie. Sicher, dafür gibt es viele Gründe: Neben zunehmendem Stress und anderen Belastungen ist insgesamt die Sensibilität gegenüber solchen Problemen gestiegen. Und die Menschen leben länger. Damit steigt auch die Zahl derjenigen, die an Demenz oder Altersdepressionen leiden. Besorgniserregend sind auch die Erkenntnisse zur Versorgungslage, die die Wissenschaftler liefern: Lediglich höchstens ein Drittel aller Betroffenen erhält irgendeine Form professioneller Hilfe und Aufmerksamkeit. Zudem beginnt die Behandlung oft erst Jahre nach Krankheitsbeginn. Einer der Gründe, die für diese Mankos verantwortlich sind, sei das weitverbreitete Unwissen in der Bevölkerung über die verschiedenen Formen psychischer Störungen, ihren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.


Wann kommt der “Boys’ Day”?

Montag, 2. Februar 2010

Noch immer schränken sich junge Frauen bei ihrer Berufswahl erheblich ein. Beklagt wird das seit Jahren. Der alljährlich stattfindende Girls’ Day und andere innovative Formen der Berufsorientierung scheinen daran kaum etwas zu ändern. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr hat sich der Trend sogar verstärkt, geht aus einer Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Demnach sind die Berufe Einzelhandelskauffrau, Verkäuferin, Bürokauffrau und Medizinische Fachangestellte der Hit bei den weiblichen Azubis. Allein ein Viertel aller Ausbildungsverträge, die von jungen Frauen unterschrieben werden, entfallen auf diese vier Berufe. Ein technischer Beruf folgt erst auf Rang 21: die Mediengestalterin.

Doch damit beginnt für die jungen Frauen auch schon die berufliche Benachteiligung. Denn in vielen männlich dominierten Ausbildungsberufen liegt die durchschnittlich gezahlte Ausbildungsvergütung um mehr als 100 Euro höher als in Berufen, die bevorzugt weibliche Azubis wählen. Zudem gibt es in Ausbildungsberufen, die vor allem junge Männer wählen, durchschnittlich drei Urlaubstage mehr pro Jahr, geht aus dem Ausbildungsreport 2009 der DGB-Jugend hervor. Höchste Zeit also, den “Boys’ Day” flächendeckend einzuführen. Denn damit Benachteiligungen und Stereotype verschwinden, sollten Jungen und Mädchen gleichermaßen die Chance haben, sich intensiv mit ihrer Berufs- und Lebensplanung auseinandersetzen zu können.