In Hamburg ist eine Kampagne zur Aufklärung über psychische Gesundheit gestartet. Denn die Zahl der Menschen, die aufgrund eines seelischen Leidens arbeitsunfähig waren, hat sich seit den 1990er Jahre bundesweit verdoppelt. Besonders betroffen sind Menschen, die in Metropolen leben. Die Hansestadt nimmt dabei traurige Spitzenpostition ein.
Die Initiatoren wollen die Früherkennung und die Prävention seelischer Erkrankungen fördern. Wer darüber informiert ist, welche Symptome Anzeichen einer Depression, eines Burn-outs oder eines anderen psychischen Leiden sein könnten, kann schneller Hilfe suchen. Frühe Beratung und Unterstützung tragen dazu bei, dass soziale oder emotionale Belastungen nicht chronisch werden. Psychische Erkrankungen, so die Botschaft der Kampagne, können jeden treffen. Und: Sie sind behandelbar. Zur neu gestarteten Kampagne gehören unter anderem die Internetseite www.psychenet.de, auf der wichtige Informationen zu häufigen seelischen Erkrankungen abgerufen werden können. Auch Anlaufstellen für Betroffene sind aufgelistet.
So innovativ und sinnvoll die Kampagne ist, eine bessere Versorgung kann sie nicht garantieren. Die Psychotherapeuten in der Hansestadt beklagen drastisch ansteigenden Wartelisten von Patienten mit Burn-out-Syndrom, Depressionen und anderen seelischen Leiden. Bis zu einem ersten diagnostischen Gespräch warten Hamburger und Hamburgerinnen derzeit über acht Wochen auf einem Termin. In ländlichen Regionen können bis zu einem Erstgespräch sogar einige Monate vergehen.
Und auch Aufklärung und eine frühe Behandlung werden kaum ausreichen. Dringend notwendig sind mehr Prävention und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Inzwischen sind auch die Gewerkschaften aktiv. Die IG-Metall etwa fordert gesetzliche Regelungen, die Arbeitnehmer vor immer mehr Arbeitsverdichtung schützen. Dabei wären Anti-Stress-Verordnungen nicht einmal ein Novum. Länder wie Frankreich, Italien sowie mehrere skandinavischen Staaten haben bereits entsprechende Arbeitsschutzregelungen auf den Weg gebracht.