Archiv für die Kategorie ‘Psychologie’

Aufklärung II: Der Wegweiser zum Therapeuten reicht nicht

Dienstag, 9. September 2011

In Hamburg ist eine Kampagne zur Aufklärung über psychische Gesundheit gestartet. Denn die Zahl der Menschen, die aufgrund eines seelischen Leidens arbeitsunfähig waren, hat sich seit den 1990er Jahre bundesweit verdoppelt.  Besonders betroffen sind Menschen, die in Metropolen leben. Die Hansestadt nimmt dabei traurige Spitzenpostition ein.

Die Initiatoren wollen die Früherkennung und die Prävention seelischer Erkrankungen fördern. Wer darüber informiert ist, welche Symptome Anzeichen einer Depression, eines Burn-outs oder eines anderen psychischen Leiden sein könnten, kann schneller Hilfe suchen. Frühe Beratung und Unterstützung tragen dazu bei, dass soziale oder emotionale Belastungen nicht chronisch werden. Psychische Erkrankungen, so die Botschaft der Kampagne, können jeden treffen. Und: Sie sind behandelbar. Zur neu gestarteten Kampagne gehören unter anderem die Internetseite www.psychenet.de, auf der wichtige Informationen zu häufigen seelischen Erkrankungen abgerufen werden können. Auch Anlaufstellen für Betroffene sind aufgelistet. 

So innovativ und sinnvoll die Kampagne ist, eine bessere Versorgung  kann sie nicht garantieren.  Die Psychotherapeuten in der Hansestadt  beklagen drastisch ansteigenden Wartelisten von Patienten mit Burn-out-Syndrom, Depressionen und anderen seelischen Leiden. Bis zu einem ersten diagnostischen Gespräch warten Hamburger und Hamburgerinnen derzeit über acht Wochen auf einem Termin. In ländlichen Regionen können bis zu einem Erstgespräch sogar einige Monate vergehen.

Und auch Aufklärung und eine frühe Behandlung werden kaum ausreichen. Dringend notwendig sind mehr Prävention und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Inzwischen sind auch die Gewerkschaften aktiv. Die IG-Metall  etwa fordert gesetzliche Regelungen, die Arbeitnehmer vor immer mehr Arbeitsverdichtung schützen. Dabei wären Anti-Stress-Verordnungen nicht einmal ein Novum. Länder wie Frankreich, Italien sowie mehrere skandinavischen Staaten haben bereits entsprechende Arbeitsschutzregelungen auf den Weg gebracht.

Mehr Aufklärung bitte!

Freitag, 9. September 2011

In meiner Timeline war heute folgender  Tweet zu lesen: Man müsse doch endlich etwas tun, es gäbe so viele Menschen mit Burnout mittlerweile. Da liefe doch was falsch … Ja, Burnout und psychische Belastungen in der Arbeitswelt sind mittlerweile Dauerthema. Von allen Pressemitteilungen, die mir in dieser Woche auf den Bildschirm gekommen sind, ist mir eine besonders aufgefallen: In Europa seien psychische Störungen zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden, resümieren Dresdner Psychologen in einer Studie. Sicher, dafür gibt es viele Gründe: Neben zunehmendem Stress und anderen Belastungen ist insgesamt die Sensibilität gegenüber solchen Problemen gestiegen. Und die Menschen leben länger. Damit steigt auch die Zahl derjenigen, die an Demenz oder Altersdepressionen leiden. Besorgniserregend sind auch die Erkenntnisse zur Versorgungslage, die die Wissenschaftler liefern: Lediglich höchstens ein Drittel aller Betroffenen erhält irgendeine Form professioneller Hilfe und Aufmerksamkeit. Zudem beginnt die Behandlung oft erst Jahre nach Krankheitsbeginn. Einer der Gründe, die für diese Mankos verantwortlich sind, sei das weitverbreitete Unwissen in der Bevölkerung über die verschiedenen Formen psychischer Störungen, ihren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.