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Probieren geht über Studieren

Freitag, 12. Dezember 2011

Ambitioniert durch das Studium sausen, im Referendariat die Zähne zusammenbeißen – und dann passt der Schulalltag doch nicht mit den eigenen Vorstellungen zusammen: Vom einstigen Wunsch, Lehrer zu werden, kann im schlimmsten Fall nur wenig übrig bleiben. Denn gut zu unterrichten und Arbeiten korrigieren zu können, reicht längst nicht mehr aus. Im Schulalltag müssen Lehrkräfte Unterstützung für Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebenslagen bieten, Brücken zwischen Heranwachsenden mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen bauen, Orientierung bei der Berufswahl vermitteln, Elterngespräche führen und vieles mehr. Neben didaktischen Fähigkeiten sind eine gute Portion Einfühlungsvermögen, Geduld und Frustrationstoleranz gefragt.
Damit sich junge Menschen noch vor der Studienwahl ein realistisches Bild von den Anforderungen an Lehrkräfte machen können, hat das Bundesland NRW ein sogenanntes Eignungspraktikum eingeführt. Die 20-tägige Praxiserfahrung ermöglicht einen Einblick in den Schulalltag aus neuer Perspektive, nämlich aus Lehrersicht. Seit letztem Jahr ist die Praxisphase vor der Einschreibung für einen Lehramtsstudiengang verpflichtend. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse der Begleitforschung vor. Wichtigste Punkte: Die meisten Lehramtsinteressenten fühlen sich nach dem Praktikum in ihrem Berufswunsch bestätigt. Für verbesserungswürdig hingegen halten die Wissenschaftler die Betreuung der Praktikanten, bei der die Interessenten gemeinsam mit einer erfahrenen Lehrkraft die gewonnenen Erfahrungen reflektieren. Immerhin: NRW ist nicht das einzige Bundesland, das Lehramtsinteressenten dazu einlädt, ihre beruflichen Ambitionen gründlich zu überdenken. In Baden-Württemberg beispielsweise gehört ein onlinebasiertes Self-Assessment seit dem Wintersemester 2011/12 zum Pflichtprogramm. Weiter so!

Reportage: Übernachten vor dem “Big Blue”

Dienstag, 10. Oktober 2011

Das Palma-Aquarium gilt als eine der Attraktionen für Kinder auf Mallorca. Besonders beliebt: campen vor dem Haifisch-Becken

Es schimmert lila-blau. Allmählich gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit. In den beleuchteten Aquarien suchen sie nach dem Unbekannten der Unterwasserwelt: Meereswesen in leuchtenden Farben und fantasievollen Körpermustern, die sich mit rhythmisch schwingenden Flossen oder schnell pulsierenden Hinterteil-Propellern fortbewegen. Schwärme der gleichen Art ziehen wie lebendige Mobile vorbei, umgeben von einer Flora aus Saugnäpfen und mit bizarren Formen, die ebenso farbenfroh im Wasser dauerbaden.  (…)

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Aufklärung II: Der Wegweiser zum Therapeuten reicht nicht

Dienstag, 9. September 2011

In Hamburg ist eine Kampagne zur Aufklärung über psychische Gesundheit gestartet. Denn die Zahl der Menschen, die aufgrund eines seelischen Leidens arbeitsunfähig waren, hat sich seit den 1990er Jahre bundesweit verdoppelt.  Besonders betroffen sind Menschen, die in Metropolen leben. Die Hansestadt nimmt dabei traurige Spitzenpostition ein.

Die Initiatoren wollen die Früherkennung und die Prävention seelischer Erkrankungen fördern. Wer darüber informiert ist, welche Symptome Anzeichen einer Depression, eines Burn-outs oder eines anderen psychischen Leiden sein könnten, kann schneller Hilfe suchen. Frühe Beratung und Unterstützung tragen dazu bei, dass soziale oder emotionale Belastungen nicht chronisch werden. Psychische Erkrankungen, so die Botschaft der Kampagne, können jeden treffen. Und: Sie sind behandelbar. Zur neu gestarteten Kampagne gehören unter anderem die Internetseite www.psychenet.de, auf der wichtige Informationen zu häufigen seelischen Erkrankungen abgerufen werden können. Auch Anlaufstellen für Betroffene sind aufgelistet. 

So innovativ und sinnvoll die Kampagne ist, eine bessere Versorgung  kann sie nicht garantieren.  Die Psychotherapeuten in der Hansestadt  beklagen drastisch ansteigenden Wartelisten von Patienten mit Burn-out-Syndrom, Depressionen und anderen seelischen Leiden. Bis zu einem ersten diagnostischen Gespräch warten Hamburger und Hamburgerinnen derzeit über acht Wochen auf einem Termin. In ländlichen Regionen können bis zu einem Erstgespräch sogar einige Monate vergehen.

Und auch Aufklärung und eine frühe Behandlung werden kaum ausreichen. Dringend notwendig sind mehr Prävention und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Inzwischen sind auch die Gewerkschaften aktiv. Die IG-Metall  etwa fordert gesetzliche Regelungen, die Arbeitnehmer vor immer mehr Arbeitsverdichtung schützen. Dabei wären Anti-Stress-Verordnungen nicht einmal ein Novum. Länder wie Frankreich, Italien sowie mehrere skandinavischen Staaten haben bereits entsprechende Arbeitsschutzregelungen auf den Weg gebracht.

Mehr Aufklärung bitte!

Freitag, 9. September 2011

In meiner Timeline war heute folgender  Tweet zu lesen: Man müsse doch endlich etwas tun, es gäbe so viele Menschen mit Burnout mittlerweile. Da liefe doch was falsch … Ja, Burnout und psychische Belastungen in der Arbeitswelt sind mittlerweile Dauerthema. Von allen Pressemitteilungen, die mir in dieser Woche auf den Bildschirm gekommen sind, ist mir eine besonders aufgefallen: In Europa seien psychische Störungen zur größten gesundheitspolitischen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden, resümieren Dresdner Psychologen in einer Studie. Sicher, dafür gibt es viele Gründe: Neben zunehmendem Stress und anderen Belastungen ist insgesamt die Sensibilität gegenüber solchen Problemen gestiegen. Und die Menschen leben länger. Damit steigt auch die Zahl derjenigen, die an Demenz oder Altersdepressionen leiden. Besorgniserregend sind auch die Erkenntnisse zur Versorgungslage, die die Wissenschaftler liefern: Lediglich höchstens ein Drittel aller Betroffenen erhält irgendeine Form professioneller Hilfe und Aufmerksamkeit. Zudem beginnt die Behandlung oft erst Jahre nach Krankheitsbeginn. Einer der Gründe, die für diese Mankos verantwortlich sind, sei das weitverbreitete Unwissen in der Bevölkerung über die verschiedenen Formen psychischer Störungen, ihren Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.


Grüner Surfen: Echte Alternative oder nur ein netter Versuch?

Montag, 10. Oktober 2010

Wie war das noch? Die Bio-Kartoffeln aus Ägypten sind im Winter denen aus heimischer Konvi-Produktion auf jedem Fall vorzuziehen? Und die Äpfel aus Neuseeland schneiden bezüglich ihrer Co2-Bilanz im Frühjahr besser ab als das Obst aus heimischem Anbau? Schließlich lagerten die Äpfel aus Übersee nicht monatelang in emissionserzeugenden Kühlhäusern. Sie wurden lediglich viele tausend Seemeilen per Schiff transportiert.

Diese Beispiele zeigen: Der öko-bewusste Konsument hat es nicht leicht. Was mit Äpfeln und Kartoffeln im Supermarkt beginnt, hört bei der Wahl des Stromanbieters und anderen Konsumentscheidungen nicht auf. Bekanntlich verbraucht auch das Surfen im Netz Energie. Und erzeugt Emissionen. Wie sich die Online-Recherche in der individuellen Klimabilanz niederschlägt, ist nicht eindeutig bilanzierbar. Bis zu sieben Gramm CO2-Ausstoß soll Expertenschätzungen zufolge eine einzige Suchanfrage verursachen. Das Umweltbundesamt schätzt den Energieverbrauch ebenso hoch ein, wie die Menge, die notwendig ist, um mit einer 4-Watt-Energiesparlampe eine Stunde lang Licht zu erzeugen. Die Behörde empfiehlt deshalb, bei der Recherche im Netz zunächst die Trefferliste mehrerer großer Suchmaschinen zu vergleichen, abschätzen, welche Website unter den Treffern das beste Resultat ergibt und erst dann die entsprechende Seite zu öffnen. Welch ein Aufwand! Um sich online ökologisch korrekt zu bewegen, spielen zudem effektive Suchstrategien, das Vermeiden unnötiger Anfragen, eine schnelle Internetverbindung und die Nutzung von Strom aus regenerativen Quellen im eigenen Haushalt oder Büro eine Rolle.

Das Richtige zu tun, also Energie und Ressourcen zu schonen, ist somit – wie immer – kompliziert und vielschichtig. Zugegeben: Es macht ein gutes Gefühl, eine grüne Suchmaschine wie etwa Ecosia  zu nutzen und zu erleben, wie beim Surfen die Fläche des geschützten Regenwaldes wächst. Aber ist das tatsächlich praktikabel und reicht das schon? Mehr dazu auf think-eco.org  >>>

 


Abgelehnt

Sonntag, 5. Mai 2010

Der Journalisten-Job fasziniert viele. „Ich beneide dich wegen deines Berufs“, bekam ich letzthin zu hören. Der, der dies meinte, wusste im Prinzip wenig darüber, mit welchen Aufträgen und Inhalten ich meinen Lebensunterhalt verdiene. Denn die Begegnung mit Stars und Promis, das Begleiten von Merkel, Westerwelle und Co. während der Auslandsreise ist ja bekanntlich nur einer kleinen Gruppe von Journalisten und Journalistinnen vorbehalten.

Und bekanntlich soll ja jeder Beruf seine Schattenseiten haben. Selbstverständlich gilt dies auch für die journalistische Profession. Zu den Beschwerlichkeiten des Alltags gehören zum Beispiel Recherchen, die einfach nicht vorankommen wollen. Mal hat der Pressesprecher eine wichtige Information in einer Interviewanfrage, die er per Mail bekam, überlesen und nicht die passenden Expertin ans Mikro geholt, mal ist die halbe Nation im Urlaub oder auf der Weihnachtsfeier. Eine studentische Initiative parierte letzthin eine freundlich formulierte Interviewanfrage mit der knappen Antwort: „Abgelehnt“. Immerhin klare Worte. Und die lieben Journalisten ja. Ohne Folgen bleibt sowas trotzdem nicht. Den Abgabetermin im Nacken, wird eifrig zum Telefonhörer gegriffen. Irgendwo muss schließlich jemand aufzutreiben sein, der die benötigten Informationen liefern kann. Mittagspause? Fehlanzeige. Die Suppe erkaltet neben der Tastatur, während die Finger hektisch eine Suchanfrage nach der anderen in die Maschine tippen.

Apropos „Abgelehnt“. Natürlich kann auch die freie Journalistin, der freie Journalist ablehnen. Aufträge zum Beispiel, bei denen Rechercheaufwand und Honorar im krassen Gegensatz zueinander stehen oder Themen, die einfach uninteressant sind. Sie oder er kann selbst bestimmen, in welche Beiträge und Projekte das Herzblut fließt und immer neue Themen finden. So macht der Alltag wieder Spaß – auch ohne Promis, Glanz und Glamour. Oder vielleicht ja gerade deswegen.

Wann kommt der “Boys’ Day”?

Montag, 2. Februar 2010

Noch immer schränken sich junge Frauen bei ihrer Berufswahl erheblich ein. Beklagt wird das seit Jahren. Der alljährlich stattfindende Girls’ Day und andere innovative Formen der Berufsorientierung scheinen daran kaum etwas zu ändern. Im Gegenteil: Im vergangenen Jahr hat sich der Trend sogar verstärkt, geht aus einer Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor. Demnach sind die Berufe Einzelhandelskauffrau, Verkäuferin, Bürokauffrau und Medizinische Fachangestellte der Hit bei den weiblichen Azubis. Allein ein Viertel aller Ausbildungsverträge, die von jungen Frauen unterschrieben werden, entfallen auf diese vier Berufe. Ein technischer Beruf folgt erst auf Rang 21: die Mediengestalterin.

Doch damit beginnt für die jungen Frauen auch schon die berufliche Benachteiligung. Denn in vielen männlich dominierten Ausbildungsberufen liegt die durchschnittlich gezahlte Ausbildungsvergütung um mehr als 100 Euro höher als in Berufen, die bevorzugt weibliche Azubis wählen. Zudem gibt es in Ausbildungsberufen, die vor allem junge Männer wählen, durchschnittlich drei Urlaubstage mehr pro Jahr, geht aus dem Ausbildungsreport 2009 der DGB-Jugend hervor. Höchste Zeit also, den “Boys’ Day” flächendeckend einzuführen. Denn damit Benachteiligungen und Stereotype verschwinden, sollten Jungen und Mädchen gleichermaßen die Chance haben, sich intensiv mit ihrer Berufs- und Lebensplanung auseinandersetzen zu können.